Dekanatssynode November 2019: Evangelische Kirche stellt sich Herausforderungen der Zeit

Text: Hans Eder, Bild: Dekanat Traunstein

Dekanatssynode informiert sich über Entwicklung und sucht neue Wege

Christine Hautz, die Geschäftsführerin des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern, vermittelte einen statistischen Einblick in die Entwicklungen und die Prognosen ihres Verbandes, der fünf Landkreise und 152 Kommunen umfasst.

Traunreut. „Was ist so wichtig, dass wir als Kirche wach sein müssen, damit die Leute sagen: ,Gut, dass es die evangelische Kirche gibt‘?“ Diese Frage stand als Motto über der Herbstsynode des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks im Wilhelm-Löhe-Zentrum in Traunreut. Die rund 60 Mitglieder der Synode aus dem Dekanat, das die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting umfasst, beschäftigten sich einen Vormittag lang mit dem Blick auf die Lebensthemen der Menschen und die anstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen. Christine Hautz, die Geschäftsführerin des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern, gab dazu Anregungen, indem sie einen statistischen Einblick in die Entwicklungen und die Prognosen der vergangenen und der kommenden Jahrzehnte bei den Themen Demografie, Zuzug, soziale Herausforderungen und Tourismus gab...

In ersten Gesprächsrunden hatten sich die Synodalen darüber ausgetauscht, was sie aktuell am meisten beschäftigt. Da kamen ganz unspektakuläre Themen zur Sprache, wie das Sich-kümmern um Baumaßnahmen, die weiten Wege, das Zersplittert-Sein in der Diaspora, fehlender Religionsunterricht, die vielen gemischten Ehen oder auch wenig Erfolg in der Jugendarbeit. Angestoßen von den Daten und Fakten aus dem Bericht aus dem Regionalen Planungsverband – dieser umfasst die fünf Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Altötting und Rosenheim mit insgesamt 152 Kommunen - dachten die Synodenmitglieder dann darüber nach, welche Konsequenzen aus diesen Informationen gezogen werden müssten, als da waren: alternde Gesellschaft, zunehmender Bedarf an Senioreneinrichtungen, anwachsende Zuzüge und Internationalisierung bei sinkenden Geburtenzahlen, immer mehr Single-Haushalte, steigender Druck durch den Tourismus vor allem in den südlichen Bereichen des Dekanats und ein zu erwartender Abwärtssog in der Wirtschaft bei damit leicht anwachsenden Arbeitslosenzahlen.

Danach hatten die Synodalen die weit gefasste Aufgabe, sich zu überlegen: „Was heißt das für uns als Kirche? Was machen wir mit diesen Daten, und was ist unser Auftrag für die Region hier? In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden zu einzelnen Themenbereichen Ideen und Vorschläge gesucht und formuliert – das Ergebnis war breit gefasst. Des Öfteren kam die Feststellung, dass es vielfach keine Zeit mehr für soziale Kontakte gebe: „Die Leute arbeiten weit weg und kommen spät heim“, hieß es. Ein Vorschlag zu mehr Nähe lag darin, den Menschen konkret Räume und Aufgaben anzubieten, in denen sie gebraucht werden und sich in Mitmachprojekten einbringen können. Auch vermehrte virtuelle Angebote könnten Menschen, die weit weg sind von den Kirchengemeinden, eventuell ansprechen.

Andererseits wurde immer wieder betont, dass man im Bemühen um fernstehende Menschen keineswegs „die vernachlässigen darf, die sowieso zur Kirche gehören“. Zu einer solchen Stärkung nach innen sollte man vielleicht neue Gottesdienstformen anbieten, vor allem aber den Menschen zuhören: „Das wollen die Leute.“  Zusätzliche Anregungen verspricht man sich von mehr Kommunikation unter den Kirchengemeinden und mehr gemeindeübergreifender Zusammenarbeit: „Wir müssen uns mehr Kommunikation zutrauen“, hieß es mehrfach. Damit könne man, was anderswo gut funktioniert, eventuell dann auch selbst übernehmen.

Niedrigschwellige Angebote besonders für Jugendliche und Familien sollten dazu führen, wieder mehr Menschen an die Kirchen heranzuführen. Wichtig sei es, so hieß es in einem weiteren Gesprächskreis, dass die Kirchen als spirituelle Orte und als Orte der Ruhe offen zugänglich seien. Auch für Touristen solle man offene Kirchen und offene Angebote bereitstellen.

Veronika Zieske, Studienleiterin an der Gemeindeakademie Rummelsberg, die zusammen mit Gemeindeberater Gerhard Eber für die Moderation zuständig war, stellte vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen fest, dass in Sachen Landesstellenplanung die Verantwortung dafür künftig noch mehr auf die mittlere Ebene, also auf die Dekanate, übertragen werden solle. Somit müsse die Stellenverteilung auch hier verantwortet werden: im Wesentlichen von Dekanatsausschuss und -synode. Was in diesem „Breiten-Dekanat“ besonders wichtig sei, müsse soweit möglich mit den dafür notwendigen personellen Ressourcen versorgt werden.

Dekan Peter Bertram meinte am Schluss des gedrängten Programmteils der Synode, er habe „viel solidarischen Geist gespürt“: „Es ist ein gutes Signal, wenn die Kommunikation passt. Die Andacht am Anfang der Synode wurde von dem neuen Popularmusiker des Dekanats, Walter Frank, musikalisch begleitet, und ein kleines Ensemble sang dann noch einen Song aus dem neuen Musical „Martin Luther King“, das am 1. April uraufgeführt wird. he