Ein Schmuckstück als kirchenpolitisches Statement - Die Auferstehungskirche in Traunstein wird 125 Jahre alt- Festgottesdienst mit Regionalbischof am 14. Juli

Mit Stolz blicken der Traunsteiner Pfarrer Alois Vogl und Dekan Peter Bertram (rechts) auf die vor 125 Jahren im spätromanischen Stil erbaute Auferste-hungskirche. Mit einem großen Festgottesdienst fei-ert die Kirchengemeinde das Jubiläum am 14. Juli mit Regionalbischof Thomas Prieto Peral.
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Text und Bild: Axel Effner

 

Im Rahmen eines großen Festgottesdienstes mit Regionalbischof Thomas Prieto Peral feiert die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde in Traunstein am Sonntag, 14. Juli um 10 Uhr ein besonderes Jubiläum: die Auferstehungskirche am Martin-Luther-Platz wird 125 Jahre alt.

In dem aus 16 Kirchengemeinden in den vier Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting bestehenden Evangelisch-Lutherischen Dekanat Traunstein gehört der Sakralbau zu den ältesten Gotteshäusern. Nur die 1881 eingeweihte Kirche in Bad Reichenhall ist älter. Im gleichen Jahr wie in Traunstein wurde 1899 die Christuskirche in Berchtesgaden fertiggestellt, deren Jubiläum bereits groß gefeiert worden ist.

Wie ein deutliches Ausrufezeichen und quasi als „kirchenpolitisches Statement“ reckte sich die im spätromanischen Stil erbaute Auferstehungskirche mit ihrem hochaufragenden Turm bei ihrer Einweihung am 6. August 1899 gen Himmel. Der Bau in Bahnhofsnähe gehörte in der damals zutiefst katholischen Provinzstadt mit Sicherheit zu den meistdiskutierten Themen. Nicht zuletzt versprachen sich die Stadtväter davon aber auch eine deutliche Belebung des Fremdenverkehrs, waren doch zahlreiche Kur- und Badegäste sowie vermögende Ruheständler evangelisch. Nicht zuletzt der Bau des Bahnhofs 1860 und der Anschluss ans überregionale Schienennetz hatte den Aufschwung Traunsteins als gefragten Kur- und Urlaubsort stark vorangetrieben.

 

Gemeindegründung nach Kirchenbau

Im wahrsten Sinne ihren Platz gefunden hatte mit dem von prominenter Hand geplanten Steinbau auch die evangelische Diaspora-Gemeinde in Traunstein. Diese hatte sich Mitte des 19. Jahrhunderts gebildet. 1854 fand der erste Gottesdienst in einer Privatwohnung mit Hilfe eines Reisepredigers statt. Infolge des Bahnanschlusses wuchs die Zahl evangelischer Bürger beständig, so dass diese nach einer Zwischenstation im ehemaligen Kurhaus am Klosterberg aufgrund einer Intervention des königlichen Rentamtmanns und späteren Ehrenbürgers Hartwig Peetz 1872 endgültig im Rathaussaal Gottesdienst feiern konnten.

Man kann sich die Erleichterung vorstellen, als 1899 der erste „echte“ Gottesdienst in einer Kirche stattfinden konnte. Mit der Verlegung der Reisepredigerstelle nach Traunstein bekam der Ort im Jahr 1900 den ersten protestantischen Geistlichen. Im Oktober 1915 erfolgte die Erhebung zur eigenen Kirchengemeinde Traunstein und Loslösung von der Pfarrei München. In diesem Zeitraum schnellte die Zahl der Kirchenglieder von 118 auf 857 empor.

 

Symbolische Umbenennung 1961

Echte Prominenz versammelte sich um die neue Auferstehungskirche. Nach ersten Plänen einer Holzkonstruktion des renommierten Münchner Kirchen-Architekten August Thiersch übernahm sein Schüler Alfred Stamm die Fertigstellung in Nagelfluhstein und Ruhpoldinger Marmor. Der Pfarrersohn und Bauamts-Assessor am Königlichen Landbauamt in Traunstein übernahm die Umplanung für den Kirchenbauverein ohne Honorar. Doch auch so stiegen die Baukosten von 58.000 auf 85.000 Mark. Durch viele eifrige Spender kam die Summe zusammen.

Den Namen „Auferstehungskirche“ erhielt das Gotteshaus übrigens erst 1961 in Anlehnung an den Neuaufbau nach den Kriegszerstörungen und einer inhaltlichen Neuausrichtung. Diese spiegelt sich symbolisch in dem Motiv des auferstandenen Christus im Chorglasfenster wider. Es wurde 1952 vom Marquartsteiner Künstler Heinrich von Kralik eingesetzt und ersetzte das im Krieg beschädigte Prachtstück aus der Münchner Hofglasmalerei F.X.Zettler.

Mit Stolz blicken auch Dekan Peter Bertram und Pfarrer Alois Vogl auf die Auferstehungskirche.  Dank zahlreicher Maßnahmen ist das Gotteshaus mit Gemeindezentrum, Pfarramt und Dekanatssitz heute mehr denn je ein „Aushängeschild und städtebauliches Zentrum mit Strahlkraft“. Wichtige Stationen auf diesem Weg waren die Gesamtinstandsetzung mit Neuausrichtung Ende der 1980er Jahre, der Einbau der neuen Rohlf-Orgel 1994, die Weihe des neuen Bronze-Geläuts 2005 samt vierter „Auferstehungsglocke“ von 2017 und die bis 2021 erfolgte komplette Neugestaltung des Kirchenareals am „Martin-Luther-Platz“.

„Mit diesem neuen Begegnungszentrum sind wir Evangelischen in der Mitte der Traunsteiner Gesellschaft angekommen“, sagt Dekan Bertram. Das besondere Ambiente der Auferstehungskirche hat sich offenbar bis in die Landeshauptstadt herumgesprochen. Dies zeigte vor kurzem die starke Teilnahme von Münchner Paaren bei der Hochzeits-Aktion „einfach heiraten“. Dank bester Kontakte zur katholischen Stadtkirche steht auch die Pflege der Ökumene hoch im Kurs. Spürbar wird diese etwa bei der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Orgel zur Nacht“.

 

Veranstaltungen zum Jubiläum

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten gibt es am Dienstag, 9. Juli um 19.30 Uhr eine Führung in und um die Auferstehungskirche mit Dr. Jürgen Eminger sowie den Landschaftsarchitekten Dobrzanski und Krauss. Den „evangelischen Spuren in Traunstein“ spürt Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl am Dienstag, 16. Juli um 19.30 Uhr im Saal des Gemeindezentrums nach.