Kunst und Kultur sind Lebensmittel

Gedanken in der Corona-Zeit von Dekan Peter Bertram

Viele Menschen vermissen momentan schmerzlich den Besuch von Theaterveranstaltungen und Konzerten. Auch das gemeinsame Musizieren oder Chorsingen kann gegenwärtig Corona bedingt nur indirekt stattfinden.
Unzählige kleine und große kulturelle Termine sind abgesagt.
Etliche Konzertkarten für die kommenden Monate, die auf meinem Schreibtisch liegen, sind hinfällig geworden. Kein Kabarettbesuch im Mai, kein Rockkonzert im Sommer stimmen mich traurig.
Der Kulturbetrieb steht weitgehend still und die Lockerungen lassen noch auf sich warten. Streaming ersetzt für mich kein Liveerlebnis.

Keine Auftritte bedeuten für die betroffenen Künstlerinnen und Künstler auch keine Einkünfte. Vom fehlenden Applaus des Publikums, der in einem Saal zu hören und zu spüren ist, gar nicht zu reden.
Die Rede von einer brotlosen Kunst gewinnt traurige Realität.
Die existentiellen Sorgen der Kulturschaffenden sind für mich sehr nachvollziehbar.

Ich finde es deshalb wichtig, dass Bundespräsident Steinmeier vor kurzem betonte, dass Kunst und Kultur keine verzichtbaren Nebensachen sind.
In seiner Ansprache beim Europakonzert der Berliner Philharmoniker in Berlin sagte er: "Gerade in diesen Tagen erfahren wir: Kunst und Kultur sind, in einem sehr buchstäblichen Sinn, Lebensmittel."

Kirche, Kunst und Kultur sind miteinander zu sehen.
Von  Anfang an gehörte zum Gottesdienst immer schon die Musik. Das Buch der Psalmen ist das Gesangbuch der hebräischen Bibel und war ein zentrales Moment des Tempeldienstes. Später legte die Reformation einen Grundstein der europäischen Musikkultur – vom Gemeindegesang bis zur Hausmusik. Komponisten wie Bach, Schütz, Telemann und Händel stehen dafür.

Für Martin Luther war “die Musik die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht«
Anders gesagt: Musik ist gesund, hilft Ängste abbauen und macht glücklich.

Kunst und Kultur sorgen für Lebensqualität. Sie können Menschen zum Lebensmittel werden wie die tägliche Brotzeit.