Nach 60-Jahr-Feier nun die 50-Jahr-Feier

2014 stand der Kirchenbau, jetzt die Selbstständigkeit der Gemeinde im Mittelpunkt

erschienen in Passauer Neuen Presse am 15.07.2019, Text und Fotos: Anton Brandl

Töging/Neumarkt-St. Veit. 50 Jahre selbstständige evangelische Gemeinde Töging/Neumarkt-St.Veit: Dieser Jahrtag ist gestern mit einem Festgottesdienst in der Töginger Auferstehungskirche begangen worden. Auch das anschließende Pfarrfest stand im Zeichen des Jubiläums.
„Wir kommen aus dem Feiern gar nicht mehr heraus“, meinte Pfarrer Johann-Albrecht Klüter eingangs des Festgottesdienstes mit Blick auf die kuriose Tatsache, dass man vor fünf Jahren eine 60-Jahr-Feier beging (Fertigstellung der Kirche) und nun eine 50-Jahr-Feier. Die Kirchenrenovierung sei zwar abgeschlossen, doch jetzt stehe die Entstaubung und Renovierung der Orgel an, die ebenfalls einige tausend Euro kosten werde.

 

Die Konfirmanden Daniel Hegelmann, Florian Huber, Leon Kuckshausen, Dennis Lutz, Simon Maier, Leonie Schönhals und Sarah Wimmer spielten eine Töginger Kirchenvorstandssitzung nach, wie sie sich in früheren Jahrzehnten abgespielt haben könnte. Damals waren die Evangelischen „Kellerkinder“, die sich in einem Souterrainraum der „Schule I“ versammelten. Erst nach und nach wurden verschiedene Bauten realisiert. Fazit: „Wir Evangelische san zach!“, wie es im Sketch hieß. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von der Band „Intime“, die auch Melodien z.B. von Eric Clapton spielte. Kirchenmusikerin Cornelia Klüter umrahmte den Festgottesdienst an der Orgel.
Dekan Peter Bertram stellte in den Mittelpunkt seiner Predigt ein Wort des Apostels Paulus aus dessen Brief an die Galater: „Einer trag des anderen Last!“ An diesem Satz könne man sich ein ganzes Leben lang abarbeiten, egal ob in der Ehe oder in sozialen Gemeinschaften. Aber: „Auch Luxus kann zur Last werden, wenn er unsere Seele zu sehr bindet!“ Mit Blick auf 50 Jahre evangelische Gemeinde Töging/Neumarkt-St. Veit meinte er, auch in dieser Zeit seien oft schwere Lasten zu tragen gewesen, was aber mit mit viel Gottvertrauen gemeistert wurde.
MdL Dr. Martin Huber griff in seinem Grußwort den Begriff von den evangelischen „Kellerkindern“ auf und knüpfte daran die Frage, wie heute in der Gesellschaft allgemein mit dem Glauben umgegangen werde. Die Frage, ob sich Christen in der Gesellschaft und in der Politik einmischen sollten, bejahte er klar: Das sei sogar notwendig, schließlich sei Bayern ein christlich geprägtes Land. Die Pfarreien seien Anlaufstelle für Menschen, die auf der Suche sind – „dafür leisten Sie hervorragende Arbeit“, so Dr. Huber an Pfarrer Klüter gewandt.
Tögings Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst machte den Konfirmanden ein Kompliment für den Sketch: „Das hat mir sehr gut gefallen!“ Er griff das Wort von Dekan Bertram auf, dass auch der Luxus zur Last werden könne. Vielen Menschen sei heutzutage gar nicht bewusst, wie gut es der Gesellschaft insgesamt gehe, sie nähmen Vieles als selbstverständlich hin und wüssten es nicht mehr wertzuschätzen. Sein Wunsch für die nächsten 50 Jahre: Dass das Bewusstsein dafür wächst, dass, was als gegeben erscheint, doch täglich erarbeitet werden müsse.
Der Erhartinger Bürgermeister Georg Kobler erinnerte in der evangelischen Kirche an das katholische Kirchenoberhaupt Johannes XXIII. und seine umgängliche Amtsführung. Ihn habe die Schriftstellerin Marie-Luise Kaschnitz als „Mensch, verkleidet als Papst“ bezeichnet. Er selbst habe gesagt: „Papst kann jeder werden, der beste Beweis bin ich!“ Kobler wünschte der evangelischen Gemeinde stets Gottes „gütige Vorsehung – und wenn sie nicht immer sofort da ist, sind wir Erhartinger direkt nebenan!“ Als Geschenk übergab er an Pfarrer Klüter ein Bild der Erhartinger Malerin Inge Wagner.
Im Anschluss an den Gottesdienst versammelten sich rund 100 Besucher beim Pfarrfest vor der Kirche, das maßgeblich vom Kirchenvorstand um Vertrauensfrau Karin Kolbinger vorbereitet worden war. Hier gab’s warme Speisen, kühle Getränke sowie Kaffee und Kuchen. Für die Kinder waren im Pfarrgarten diverse Spiele vorbereitet, von einem kleinen Regenschauer ließ sich kein Besucher vertreiben. Als Schutz waren auch Zelte aufgebaut.


Höhepunkt war es, als viele bunte Luftballons in den Himmel stiegen. Daran befestigt: Zettel mit den Namen von Fest-Besuchern sowie die Bitte an den Finder, sie zurück zu schicken. Der Besucher, dessen Karte den weitesten Weg zurück liegt, darf sich auf einen Gewinn freuen. − afb