Wie sich die Friedenskirche Burghausen zur Sehenswürdigkeit mausert

erschienen im Sonntagsblatt vom 09.09.2019, Text: Susanne Schröder

Das touristische Highlight der 20.000-Einwohner-Städtchens Burghausen an der Salzach ist unbestritten die Burg. Doch weil jeder auf dem Weg zur "längsten Burganlage der Welt" auch an der evangelischen Friedenskirche vorbeikommt, ist dort gerade einiges im Gange.



Schon im Juli wurde die Kirche mit schwerem Gerät komplett entkernt. Nur Mauern und Dachstuhl sind jetzt noch original 1955 – das Jahr, in dem die Friedenskirche nach Plänen von Reinhard Riemerschmidt eingeweiht worden war. Der gesamte Innenraum hingegen wird neu gefasst.

"Der technische Grund für den Umbau war die Asbestbelastung auf dem Dach", berichtet Diethard Buchstädt, seit einem Jahr geschäftsführender Pfarrer von Burghausen. Zudem wollte der Kirchenvorstand einen flexibleren Innenraum für die vielfältigen Veranstaltungen – vom Tauffest übers Chorkonzert bis zum Friedensgebet. Und schließlich sollte die Orgel ausgetauscht werden: Das überdimensionierte 1960er-Jahre-Instrument war so auf die Empore gepfercht, "dass eine Wartung praktisch unmöglich war", sagt der Pfarrer...

Wie die Friedenskirche Burghausen umgebaut wird
Ins Rollen kam der Stein, als der Burghauser Bürgermeister Hans Steindl von den Plänen erfuhr. Die Stadt selbst hatte ein Interesse daran, den Friedensplatz vor der Kirche – das "Filetstück" am Burgeingang – von Parkplätzen zu befreien und als Begegnungsraum zu gestalten. Kurzerhand sagte die Kommune eine Million Euro zu.

Mit solchen Mitteln gesegnet, ließen sich die Umbaupläne in Angriff nehmen. Der Innenraum wurde entkernt, die Empore abgebrochen, Bänke, Altar und Kanzel abgebaut und über die Rumänienhilfe nach Satu Mare gespendet. Hilfreich bei alledem war, dass die Friedenskirche nicht denkmalgeschützt ist.
Künstlerin Meide Büdel gestaltet Kirchenraum

Das Raumkonzept sieht einen barrierefreien Innenraum mit prägendem Altarbereich vor. Den Kunstwettbewerb für die Prinzipalia entschied die renommierte Bildhauerin Meide Büdel für sich. Der Clou beim Dreigestirn Altar, Lesepult und Taufstein ist das in den Boden eingelassene Taufwasserbecken. Auf einer Fläche von zwei Metern mal 40 Zentimetern soll die fünf Zentimeter tiefe Wasserfläche das Licht spiegeln, das durch die alten Tauffenster von Helmut Ammon in die Kirche fällt.

Auf dunklem Schieferboden bieten künftig flexible Kurzbänke Platz für etwa 100 Gottesdienstbesucher. Für noch mehr Transparenz werden auch die Fenster der Südseite – analog zur Nordseite – bis zum Boden heruntergezogen. Und im hinteren Drittel der Kirche bleibt Raum für eine neue Orgel. Ein neues Instrument mit 15 Registern, das zur neu gestalteten Kirche passt, läge bei etwa 300.000 Euro – eine Summe, die derzeit nicht zur Debatte steht. Als letztes künstlerisches Element sollen zwei freischwebende, vier Meter lange Metallschwingen an der Altarwand aus Tuffstein den Frieden symbolisieren. Ende 2019 soll der Umbau abgeschlossen sein.

Kunst rund um die Friedenskirche Burghausen
Die Antwort auf die Kunst im Kircheninneren liefert die Stadt Burghausen auf dem neuen Friedensplatz: Den Stadtvätern ist es gelungen, eine Skulptur des 2017 verstorbenen Bildhauers Alf Lechner als Dauerleihgabe an die Salzach zu holen.

Die "Anlehnung" des Künstlers, dessen Werke mit dem Lechner-Museum bei Ingolstadt über ein eigenes Ausstellungshaus verfügen, besteht aus zwei Stahlquadern, vier mal drei Meter und 40 Tonnen schwer. "Dafür wird auf dem Platz ein eigenes Fundament gelegt", sagt Buchstädt.