Viele Besucher feiern Kirchenjubiläum mit

50-Jahr-Feier der evangelischen Simeonkirche – Hohe Urlauberzahl in Waging gab Ausschlag für Kirchenbau

erschienen im Traunsteiner Tagblatt 10.07.2018 - Text und Bild: H. Eder

Waging am See. Reichlich eng geworden ist es beim Gottesdienst am Sonntag in der evangelischen Simeonkirche, als deren 50-jähriges Bestehen gefeiert wurde. Die Festpredigt von Dekan Peter Bertram und eine abwechslungsreiche musikalische Gestaltung waren die wesentlichen Elemente der Feier, ehe das Jubiläum mit dem Gemeindefest weiterging. Auch eine ganze Reihe von Mitgliedern der katholischen Pfarrei hatte sich dazu eingefunden.

Pfarrer Barthel Pichlmeier begrüßte die Gottesdienstbesucher in der übervollen Kirche


Dekan Bertram dankte zunächst allen, die vor 50 Jahren zum Bau der Simeonkirche beigetragen haben. Wie er in einem Rückblick auf die Entstehungsgeschichte schilderte, war dafür einiges an Hartnäckigkeit notwendig gewesen, bis alle Hürden, auch die bürokratischen, genommen waren. In dem Zusammenhang verwies der Dekan auf den Arbeitsbereich Freizeit und Erholung, für den die Landeskirche Jahr für Jahr erhebliche Geldmengen zur Verfügung stellt – beispielsweise dafür, dass in Tourismusgemeinden wie Waging im Sommer vier Wochen lang Pfarrer aus Norddeutschland tätig sind und verschiedene Programme anbieten.

Denn die vielen Urlauber aus dem Norden Deutschlands und auch aus den Niederlanden hätten letztlich, wie Bertram weiter schilderte, den Ausschlag dafür gegeben, dass der seinerzeit gerade mal 200 Mitglieder zählenden evangelischen Gemeinde ein Kirchenbau genehmigt und finanziert worden war. Ohne diesen „überregionalen Stellenwert“ wäre dies kaum zu rechtfertigen gewesen, so der Dekan. Und auch in die Gestaltung des Kirchenbaus, der sich wie ein Zeltdach darstellt, sei der Urlaubsgedanke eingeflossen – passend zu dem Campingplatz am Waginger See. Die Basis der Kirchengemeinde habe damals wesentlich aus Geflüchteten und Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten bestanden, aus „Leuten mit Migrationshintergrund“, die hier nach dem Krieg eine neue Heimat gefunden haben. Eine kleine, aber sehr engagierte Mannschaft sei es gewesen, die damals mit viel Nachdruck ein eigenes Gotteshaus „ertrotzt“ habe.

Die Landeskirche habe damals also nicht nur an die Kerngemeinde vor Ort gedacht, sondern auch an die vielen Urlaubsgäste, die Jahr für Jahr an den Waginger See kamen: „all die Menschen, die herkommen, um Kraft zu schöpfen und aufzutanken“. Daran habe sich bis heute wenig geändert, und gerade in Urlaubszeiten seien die Menschen häufig offener. Die „Kirche in der Freizeitwelt“ lade dazu ein, positive Erfahrungen mit nach Hause in den Alltag mitzunehmen, von denen man dann in schwierigeren Zeiten zehren könne. Die Menschen seien eingeladen, auch ohne Gottesdienst in die Kirche zu kommen, sich hier aufgehoben zu fühlen – und danach gestärkt nach Hause zu gehen „in dem Wissen um die Zusage Gottes, dass er uns begleitet“, so der Dekan am Ende seiner Predigt.

Pfarrer Barthel Pichlmeier hatte sich in seiner Begrüßung erfreut über die große Besucherschar geäußert: „Mit so vielen Menschen haben wir nicht gerechnet“, meinte er. Kurz erwähnte er die inzwischen zumindest weitgehend abgeschlossenen Renovierungsarbeiten vor allem am Gemeindehaus. Mit leiser Ironie ließ er aber auch nicht unerwähnt, dass gerade die ursprünglichen Ausgangspunkte – eine bessere Beleuchtung für den Gemeindesaal und die Sanierung der Kirchen-Außenfassade – noch nicht geschehen seien: Die Leuchten seien nicht mehr rechtzeitig geliefert worden, und wegen der Außenfassade müsse erst auf noch auf die Begutachtung durch das Denkmalamt gewartet werden.

Die Besucher erlebten in dem Gottesdienst eine abwechslungsreiche musikalische Umrahmung durch den Gospelchor der Kantorei Traunstein unter Leitung von Stefan Feiks, den Posaunenchor unter Leitung von Dekanatskantorin Ulrike Ruf und einen Kinderchor aus der Waginger Grundschule, geleitet von Pfarrer Pichlmeier.

Nach dem Gottesdienst gratulierte stellvertretender Bürgermeister Matthias Baderhuber der evangelischen Kirchengemeinde zum 50-jährigen Bestehen ihrer Kirche: Dies sei allemal Grund für ein großes Fest, meinte er. Und es sei bemerkenswert, dass es dem Waginger Stellenwert als Tourismusgemeinde – somit „den damaligen Gästen, liebevoll ,Preißn’ genannt“ - zu verdanken sei, dass hier ein Kirchenbau genehmigt worden war. Walter Schrimpf als Vertreter der katholischen Pfarrei, die an diesem Tag gerade ihre große Wallfahrt beging, überbrachte ebenfalls Glückwünsche. Schließlich seien viele Waginger Katholiken der evangelischen Kirchengemeinde freundschaftlich verbunden. Schade sei es, dass erhoffte Fortschritte in der Ökumene beziehungsweise eine Annäherung der Konfessionen immer wieder hinausgeschoben oder behindert würden, so Schrimpf. Dies sei vielen Gläubigen unverständlich.

Nach dem Gottesdienst traf man sich zum gemeinsamen Mittagessen, das von Mitgliedern der Kirchengemeinde vorbereitet worden war, die sich auch dem großen Ansturm gewachsen zeigten. Dabei sei alles selbst gemacht worden, wie Pfarrer Pichlmeier in seiner Einladung erwähnt hatte, sogar die „Nürnberger Bratwürscht’“. Für musikalische Unterhaltung sorgte Fritz Perschl mit seinen am Akkordeon begleiteten Liedern. he