Die neue Friedenskirche

Helle Eschenbänke, dunkle Bodenfliesen: So sieht die neue Burghauser Friedenskirche aus. Altar und Ambo sind aktuell noch nicht ausgepackt
Bildrechte: Christina Schönstetter

Komplett-Umbau  ist fast abgeschlossen − Moderne  Gestaltung –  Eröffnungstermin unklar

Burghausen. Am Palmsonntag hätte alles fertig sein sollen – die neue evangelische Friedenskirche hätte  wiedereröffnen sollen. Mittlerweile ist fast alles fertig, aber die Eröffnung muss wegen des Coronavirus verschoben werden. Für die Leser der  Heimatzeitung macht Pfarrer Diethard Buchstädt aber trotzdem schon einmal eine Tour durch das Haus.

„Es sind quasi nur die Mauern geblieben“, sagt der evangelische Pfarrer über die Friedenskirche. Rund 1,7 Millionen wird das Projekt am Ende kosten.  Der Innenraum wurde komplett neu gestaltet und auch der Außenbereich wurde, für Passanten deutlich sichtbar, neu konzipiert. Der Kirchenumbau in dieser Dimension habe eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten dargestellt, wie es Buchstädt beschreibt. In der Friedenskirche habe bisher ein Gesamtkonzept gefehlt; der Altarraum war eng, die Bodenbeläge unterschiedlich, durch die Anordnung der Bänke entstand ein Gefühl der Asymmetrie.

Jetzt ist das Innere  ein großer, homogener Kirchenraum. Die Empore mit der Orgel wurde entfern, das erhöhte Podest des Altarraums ebenfalls, sodass nun alles ebenerdig, barrierefrei und offen ist. Überall wurde ein einheitlicher anthrazitfarbener Schieferboden verlegt. Hinter dem Altar blieb die Tuffsteinwand erhalten, ein Bezug zur Burghauser Burg und eine  Erinnerung an die Klagemauer  in Jerusalem. Zwei je vier Meter lange Metall-Schwingen zieren nun die Wand wie die Flügel der Friedenstaube.

Mehr Licht gibt es nun im Kirchenraum: An der Nordseite der Kirche sind, als ruhigeres Pendant zu den bunten Motiv-Fenstern auf der Südseite, neue bodentiefe Fenster eingelassen. Sie stammen aus einer Glasmanufaktur, es handelt sich um mundgeblasenes Antikglas in hellen Gelb- und Weißtönen. „Die Fenster konnten wir nur machen, weil es dafür einen Spender gab, der aber anonym bleiben wollte“, erklärt Buchstädt.

Der neue Altar ebenso wie der Ambo sind ebenerdig und aus Birkenholz mit brüniertem Stahl. „Der Altarraum soll offen sein“, so Buchstädt. Die Materialien  Beton, Glas, Holz und Metall sollen für sich sprechen, ebenso die einfachen, klaren Formen. Nun ist der vordere Teil der Kirche offener, Chöre können dort stehen, Taufen ohne Enge stattfinden. Pfarrer Buchstädt ist vom neuen Konzept überzeugt:  „Es ist  ein unschätzbarer Gewinn für uns, wenn ich diesen Raum variabel nutzen kann.“

Eine Besonderheit im Altarraum ist das Taufbecken: Dieses wurde im Zuge eines Wettbewerbs entwickelt. In den Boden ist ein etwa fünf Zentimeter tiefes Wasserbecken eingelassen. Im Wasser soll sich das Licht, das durch die bunten Tauffenster einfällt, widerspiegeln. Über dem Wasserbecken steht ein Aufbau, in dem die Taufschale eingelassen  ist.  „Das ist etwas ganz Neues, ein Wagnis – aber wir wollten das versuchen.“

Das Taufbecken wird vor den bunten Fenstern über einem wenigen Zentimeter in den Boden eingelassenen Wasserbecken aufgestellt.
Bildrechte: Christina Schönstetter

Geblieben ist die nicht unumstrittene Fichtenholzdecke. Sie wurde aber abgeschliffen, das Naturholz behielt mit einer durchsichtigen Lasur seine ursprüngliche Farbe. An der Decke wird sich auch bei den ersten Abendveranstaltungen die neue Beleuchtung mit dimmbaren LEDs zeigen, darunter auch ein um die Decke laufendes Lichtband.

Auch die Bestuhlung im Inneren ist mit sieben Bankreihen luftiger. 112 Plätze wird es dort geben, dazu können 150 Stühle gestellt werden.

Deutlich sichtbar waren in den vergangenen Wochen und Monaten  bereits die Veränderungen im Außenbereich der Kirche. Der Vorplatz – bisher ein Parkplatz –  wurde von der Stadt Burghausen mit der Stahlskulptur „Anlehnung“, Sitzgelegenheiten und Bäumchen neu gestaltet.  Das Pflaster wurde bewusst in die Zufahrt zur Burg hinein verlängert;  der Vorplatz soll Teil des Ensembles sein.

Seit er vor zwei Jahren nach Burghausen kam, ist Pfarrer Diethard Buchstädt nun also mit dem Umbau beschäftigt. Trotz vieler Planungen und mindestens ebenso vieler Umplanungen ist er nach wie vor gerne bei dem Projekt dabei: „Es macht mir Spaß und ich habe grundsätzlich ein Faible für Handwerk.“

Noch ungeklärt ist, wann es wieder eine eigene Orgel geben wird. Zunächst bleibt die Leihorgel aus St. Konrad. „Für die Orgel gibt es keine Zuschüsse von der Landeskirche“, gibt Pfarrer Buchstädt zu bedenken.  Wann er die neue Kirche feierlich eröffnen kann, ist angesichts der Corona-Krise noch offen. cts - Christina Schönstetter , Passauer Neue Presse vom 03.04.2020