Ergreifende Passion

Motettenchor und Salzburger Barockorchester führen mit Solisten Werk von Telemann auf

erschienen in Bad Reichenhaller Tagblatt vom 2.April 2019, Text und Bild: Brigitte Janoschka

Bad Reichenhall. Ergreifend, packend und berührend war das Konzerterlebnis in der evangelischen Stadtkirche, das der Motettenchor, das Salzburger Barockorchester und fünf Solisten unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Matthias Roth mit der ausgefeilten Interpretation von Georg Philipp Telemanns Matthäus-Passion von 1746 im Beisein vieler Ehrengäste darboten.

 


In den Chorälen und Turbae, in denen die Stimme des Volkes symbolisch in Fugenpassagen zum Ausdruck kommt, überzeugte der Chor mit einem großen Können, Verständnis für die Aussage der Musik sowie die Spannungsbögen und wurde zum begabten Werkzeug des Lautmalers Telemann. Dem Salzburger Barockorchester oblag die Aufgabe, das jeweilige Lokalkolorit musikalisch umzusetzen. Die Musikerinnen und Musiker spielten zum Teil auf historischen Instrumenten nach historischer Aufführungspraxis. Den Hornisten auf seinem historischen Instrument ohne Ventile hatte Matthias Roth schon in seinem Vortrag bedauert, aber dieser schlug sich wacker und fügte dem Gesamtklang eine Besonderheit hinzu.

Die Instrumentalisten begleiteten ebenso virtuos in den schnellen Passagen wie mit großem Einfühlungsvermögen, was sich zum Beispiel in den Passagen der Holzblasinstrumenten zeigte, die gezielt in den Alt-Arien über den Schlaf der Jünger und dem Wahrheits-Appell an Caiphas eingesetzt waren, aber auch in den Rezitativen im Basso continuo. Durch das Geschehen in diesen erzählenden Passagen führte Maximilian Kiener als Evangelist mit seiner weichen und angenehm klingenden Tenorstimme und stellte eine inhaltliche Verbindung zu den Arien und Chorgesängen her, ebenso wie zu den Christusworten, denen der Bass Thomas Hamberger in von Streichern und Basso continuo begleiteten Acompagnato-Rezitativen andächtigen Ausdruck verlieh.

Die Arien für Sopran (Rosemarie Kassis) und Alt (Astrid Hofer), die beide in ihren Koloraturen eine besondere Klangschönheit erblühen ließen, hatten zum Teil abstrakt-allegorische Überschriften wie „Die Unschuld“, „Die Wahrheit“, „Der Glaube“ oder „Die bußfertige Seele“ und schwebten wie Kommentare über demGeschehen. Mit großer Überzeugungskraft und schönem Tenor sang Bernd Lambauer den Pilatus, die zweischneidige Rolle des Petrus und die des Caiphas sowie anderer Soliloquenten–sodie Bezeichnung für auftretende Personen.
„Denn wir sind errettet aus aller Fährlichkeit (alte Sprache für „Gefährlichkeit“)“, heißt es im letzten Choral, dessen Schlussakkord Matthias Roth in seiner strahlenden Dur-Harmonie stehen und dann in der Stille nachwirken ließ, um dieser Gewissheit noch lange nachspüren zu können. Ein Zeichen setzte der Tenor Maximilian Kiener, der den innigen Applaus der Zuhörer in der vollbesetzten Stadtkirche auf die Partitur lenkte, die er voller Wertschätzung für den Komponisten vorzeigte.