Evangelische Stadtkirche: Dr. Florian Herrmann ist neuer Pfarrer in Bad Reichenhall

Mit Handauflegung und Gebeten segneten Menschen, die ihm nahe stehen, den neuen Pfarrer: hier Renate Graßl, links im Bild Dekan Peter Bertram
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erschienen im Reichenhaller Tagblatt vom 21.07.2021, Brigitte Janoschka

Bad Reichenhall:

Mit einem feierlichen Gottesdienst hat Dr. Florian Hermann am Sonntag seine neue Aufgabe als Pfarrer der Evangelischen Stadtkirche Bad Reichenhall übernommen.

Den Einzug der Liturgen und Assistenten begleiteten der Trompeter der Reichenhaller Philharmoniker Zoran Curovic mit Kirchenmusikdirektor Matthias Rothan an der Orgel, der für den Schluss des Gottesdienstes eigens einen Kanon mit Fanfaren komponiert hatte.

Ein Vokalensemble aus dem Motettenchor unterstrich mit Kyrie, Gloria und Agnus Dei aus der Missa brevis in D von Robert Jones (*1945) den feierlichen Charakter des Gottesdienstes, ebenso wie das Segenslied "The Lord bless you" von John Rutter (*1945). Aussagekräftige Gebete und Liedtexte, die Matthias Roth mit feinfühligen Orgelimprovisationen einleitete und feierlich begleitete, führten zum Herzstück, der Einführungshandlung, sowie zur Segnung des neuen Pfarrers hin.
Kirche muss ans andere Ufer
Die Eröffnung und Begrüßung oblagen dem Pfarrer-Ehepaar Andreas und Claudia Buchner. Dekan Peter Bertram und Pfarrer Thomas Huber dankten allen, die sich in der Zeit der Vakanz, ob ehrenamtlich oder in Festanstellung, um das Gemeindeleben gekümmert und den Verkündigungsdienst wahrgenommen haben, und würdigten ihren Einsatz.

Bertram richtete den Gruß des Landrats Bernhard Kern aus und schloss die Opfer und Leidtragenden der Hochwasserkatastrophe in die Gedanken und Gebete mit ein. Zu Pfarrer Dr. Florian Herrmann sagte er: "Du wirst mit großer Freude erwartet, und mit Freude wirst du aufgenommen." Wie könne es sein, dass jemand mit Doktor-Titel, der als persönlicher Referent der Regionalbischöfin in Bayreuth gearbeitet hat, nach Reichenhall möchte? Der Dekan fing die Sorgen der Gemeindemitglieder ein und stellte klar: Nach zehn schönen Jahren in Oberfranken will der neue Pfarrer ins wunderbare Oberbayern und ins Dekanat Traunstein.

"Das Spektakel interessiert mich nicht"

In der Einführungshandlung wurde die von Dr. Heinrich Bedford-Strohm unterzeichnete Einsetzungsurkunde, sowie Bibelworte zum Dienst eines Pfarrers verlesen. Nach der Bitte um Hilfe und die Gegenwart des Heiligen Geistes sprachen Menschen, die ihm wichtig sind, unter Handauflegung Segensworte und Gebete über Dr. Florian Herrmann: Dekan Peter Bertram, Pfarrerin Daniela Herrmann, Pfarrer Wolfgang Böhm aus Bayreuth, Franz Errath von der Evangelischen Michaelsbruderschaft in Korneuburg, sowie Renate Graßl, Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes wünschten ihm Gottes Segen, Frieden und Fülle. Anschließend überreichte Bertram dem neuen Pfarrer und seiner Frau eine Schale mit Kulinarischem aus der Region. Pfarrer Herrmann, Gemeinde und Kirchenvorstände bekräftigten ihr Verbundensein.

In seiner Predigt sprach Dr. Florian Herrmann über die wundersame Brotvermehrung im Johannesevangelium. "Aber das Spektakel interessiert mich nicht", schränkte er ein. Denn: "Das Johannesevangelium erzählt hintergründig, lässt aus gewöhnlichen Wörtern Gottes Geheimnis herausfunkeln." Er beleuchtete die symbolbehafteten Begriffe "Berg" als den Bereich Gottes und im Gegensatz dazu "das andere Ufer" als Gegend, wo man keine Frommen vermutet. "Dort müssen wir als Kirche hin, ans andere Ufer, wo die Fernstehenden sind", formulierte er sein Ziel. Das Brot des Lebens sei nicht nur für den eingeschworenen Kreis. "Die Kirchentür ist offen."

Miteinander vom Brot des Lebens satt werden

Der Pfarrer spannte einen Bogen vom Altar in der Stadtkirche "zwischen den Bergen" zu der Wiese mit den fünftausend Hungrigen in Galiläa, sowie zu der himmlischen Stadt Jerusalem, die auf die Apsiswand gemalt ist. Er freue sich, "sich zu der großen Schar der Hungrigen zu lagern, mit Neugier und Vorfreude" und miteinander satt zu werden vom Brot des Lebens.

Den Wahlspruch des Pfarrers "Das ist meine Freude" machte Matthias Roth zum sprachlichen Thema seines Kanons im alten Stil, der an diesem Festtag zum ersten Mal erklang. Pfarrer Thomas Huber drückte zum Schluss nach "Geduld und Hoffnung" seine Dankbarkeit darüber aus, dass die Pfarrstelle wieder besetzt ist und kündigte die Grußworte an.

Stadtchronik und Predigtstuhlfahrt zur Begrüßung

Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung dankte, dass an diesem Tag der Freude alle Trauernden und Helfenden in das Gebet aufgenommen wurden. Es sei ihm eine Freude, Pfarrer Florian Herrmann offiziell begrüßen zu dürfen. Er hieß ihn im Namen des Landkreises und der Stadt, sowie des Stadtrats herzlich willkommen und bot ihm eine gute Zusammenarbeit an. Nach Hermann Hesse wohne jedem Anfang ein Zauber inne, daher wünsche er dem neuen Pfarrer einen guten Start, "Freude, Verantwortung und Zugewandtheit bei der Verkündigung des Wortes Gottes in unserer Stadt". Als Geschenk überreichte er die Stadtchronik "Geschichte von Bad Reichenhall" von Dr. Johannes Lang als Nachschlagewerk.

Stadtpfarrer Markus Moderegger stellte die Gemeinsamkeiten zwischen sich und Pfarrer Herrmann heraus, denn auch er habe (als Kaplan) bei einem Bischof, nämlich bei Wolfgang Bischof, gearbeitet. Es war ihm wichtig, auf die Bedeutung des Ausruhens hinzuweisen, wie es auch bei Markus im sechsten Kapitel stehe. Als nämlich die Jünger zurückkehrten, sagte Jesus zu ihnen: "Kommt, ruht euch ein wenig aus." Verbunden mit den besten Wünschen für ein gutes Gelingen, um diese Kirche in die Zukunft zu führen, überreichte er Pfarrer Herrmann ein Ticket "für eine romantische Fahrt hinauf auf den Berg – auf den Predigtstuhl zu einem sun downer," damit er dort oben "die Übersicht über die neue Gemeinde finden könne".

Nicht in (Garten-)arbeit reinpfuschen lassen

Für Kirchenvorstand Georg Nagler sei die Gemeinde ein Organismus, der speziellen Regeln folge. Die Gemeindepflanze brauche neuen Humus, Sonne, Dünger, Wasser, Zuspruch. Dürre Äste und Blätter müssen weggeschnitten werden. Das Umfeld der Pflanze müsse bisweilen verändert werden, so dass sie neue kräftige Triebe und Blätter bilden könne. Man brauche Zeit und Geduld, da alles in seinem Tempo wachse, befand Nagler. Aber man könne die Pflanze in ihrer Entwicklung fördern. Sein Wunsch an den Pfarrer war: "Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich nicht in die Gartenarbeit hineinpfuschen, wenn Sie als Gärtner mit dem lila Daumen den Garten Gottes bestellen."