Dekanatsbezirk konferiert in virtueller Form

Berichterstattung von Hans Eder

„Freiräume schaffen für etwas Neues“


Regionalbischof Christian Kopp fordert bei der Dekanatskonferenz „Kultur der Berührung“

Regionalbischof Christian Kopp forderte auf der virtuellen Dekanatskonferenz des Dekanatsbezirks Traunstein, dass der Kontakt zu den Menschen und Seelsorge „nah, präsent, zuhörend, echt und interessiert“ sein müsse
Bildrechte: Hans Eder

Traunstein. Die evangelisch-lutherische Kirche in Oberbayern erlebe er „in ganz anderer Weise präsent als die in anderen Teilen der Landeskirche“. Diese Einschätzung gab der neue Regionalbischof Christian Kopp auf der virtuellen Dekanatskonferenz im Dekanatsbezirk Traunstein zum besten. Hier in Oberbayern, in den lebendigen Kirchengemeinden und Diensten, herrsche laut Kopp eine Einstellung vor, die man mit „Geht nicht, gibt’s nicht“ umschreiben könne; dagegen höre man hier so gut wie nie das anderswo so beliebte Argument „Das war schon immer so“.

Nach dieser Einführung appellierte der Regionalbischof an die Verantwortlichen im Dekanat, die „Kultur des Lassens zu üben“, eine gewisse Starre aufzugeben, um Freiräume zu schaffen für etwas Neues. Wichtig sei es auch, eine „Kultur der Berührung weiter zu entwickeln“, Angebote zu schaffen, die die Menschen wirklich berührten. Und schließlich empfahl Kopp, doch das Interesse an all den vielen Gruppen, die in den Kirchengemeinden existieren, abzufragen und darüber nachzudenken, ob die Menschen auch wirklich an der Kirche beteiligt sind.

Einsparungen und Personalknappheit

Dann ging der Regionalbischof auf die Landeskirche an und erwähnte, dass derzeit eine Personalprognose bis 2035 und eine mittelfristige Finanzplanung bis 2030 erstellt werde. Daran werde intensiv gearbeitet, und es sei absehbar, dass die Personalsituation eng und die Einsparungszwänge gewaltig sein werden: allein bei den Finanzen bis 2030 in der Größenordnung von knapp 20 Prozent. Daraus werden sich wohl folgende Konsequenzen ableiten: Dienstleistungen und Verwaltung werden regionalisiert, „Kooperation“ werde das Leitwort für die Prozesse sein, etwa am Beispiel der kirchlichen Immobilien. Digitalisierung bekomme künftig eine hohe Priorität und noch viel mehr Energie. Und schließlich müsse die Öffentlichkeitsarbeit auf allen Ebenen intensiviert werden; da gebe es „noch viel Luft nach oben“.

Weiters sprach Kopp von einer „Dekade der Ökumene in Oberbayern“ und dass es wichtig sei, Kirche ist Diakonie „zusammenzuspannen“. Er propagierte Mut zum Ausprobieren und zu Fehlerkultur: „Nur wer nichts macht, macht nichts falsch.“ Der Kontakt zu den Menschen und Seelsorge müsse „nah, präsent, zuhörend, echt und interessiert“ sein, Gottesdienst und Verkündigung „neu, kurz, klar und überraschend“, die „kirchliche Sprache und Theologie auf der Höhe der Zeit“.  Zur Weitergabe des Glaubens müsse ganz viel Energie und Kreativität in die Kindertagesstätten, den Religionsunterricht und die Konfirmanden-Arbeit gesteckt werden.

An den Vortrag des Regionalbischofs schloss sich eine breite Diskussion an. Zum Thema Öffentlichkeit beklagte Synodenpräsidentin Carmen Baumgärtner, dass es zumeist nur die Negativschlagzeilen in die Presse schafften: „Über anderes wird weniger berichtet.“ In dem Zusammenhang rief der Regionalbischof Kopp dazu auf, dass man auch im Dekanat Traunstein stärker in die sozialen Medien begeben und dort seine Informationen posten solle: Dies sei wichtig genug, dass man dafür jemanden fest beauftragten sollte. Dann könne man all das der Öffentlichkeit mitteilen, was an Positivem in den Kirchengemeinden laufe.

Ein anderes Thema ging dahin, wo man in Zeiten knappen Personals Prioritäten setzen solle. So müsse man, auch wenn das „konfrontativ“ sei, darüber nachdenken, so Landesbischof Kopp, ob in den Filialkirchen trotz geringen Besuchs weiterhin regelmäßig Gottesdienste stattfinden sollten. Pfarrer Johann Albrecht Klüter aus Töging meinte dazu, gerade in Diaspora sei diese Art von Präsenz sehr wichtig, auch wenn der Besuch teilweise sehr gering sei. Besonders wichtig aber sei, wie mehrfach betont wurde, die Weitergabe des Glaubens im Religionsunterricht – umso schlimmer, dass gerade auch hier Personalnot bestehe.

Eine andere Variante der Prioritätenfindung sprach der Marquartsteiner Pfarrer Rainer Maier an: Ob es vertretbar sei, fragte er an, Segenshandlungen wie Trauungen oder Taufen auch solchen Menschen anzubieten, die ansonsten so gut wie keinen Kontakt zu den Kirchengemeinden haben. Er beantwortete seine eigene Frage positiv: Dies sei durchaus angebracht; denn gerade bei solchen Anlässen ließen sich die Menschen „berühren“. Dem stimmte der Regionalbischof uneingeschränkt zu: Wenn Menschen, seien sie ansonsten auch kirchenfern, an gewissen Schwellen im Leben Begleitung wünschten, sollte man ihnen das nicht verweigern, selbst dann nicht, wenn solche Anlässe viel Zeit erforderten, die dann an anderer Stelle möglicherweise fehle. Diese Aussage von Kopp kommentierte Robert Münderlein, langjähriges Mitglied der Landessynode, mit den Worten: „Danke für solch vollkommen neue Töne aus dem Landeskirchenamt!“ he

 

 

60 Teilnehmer bei Online-Konferenz – Zahlreiche personelle Änderungen und enge Personalsituation


Traunstein. Mit erstaunlich aktuellen Worten von Martin Luther leitete Dekan Peter Bertram die Dekanatssynode des Dekanatsbezirks Traunstein – das neben Traunstein auch die Kreise Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting umfasst – ein; diese musste angesichts der aktuellen Corona-Situation in virtueller Form stattfinden. „Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen.“ Das hat Martin Luther 1527 geschrieben, als in Wittenberg die Pest ausbrach.

Zu Beginn seiner Ausführungen nach einer Andacht mit dem neuen Landesbischof Christian Kopp erwähnte der Dekan etliche Punkte, die in Coronazeiten wichtig waren beziehungsweise sind. So sei wegen der Pandemie keineswegs „alles abgesagt worden“, aber es hätten vielfach andere Wege gefunden werden müssen. Die seelsorgerliche Erreichbarkeit und viele Kontaktaufnahmen zu den Gemeindegliedern hätten in vielen Fällen per Computer und das Programm zoom stattfinden müssen, das flächendeckend genutzt worden sei. Bei der Gelegenheit habe man auch „Mut zum Lassen“ beweisen müssen, also Angebote wegzulassen, die möglicherweise verzichtbar gewesen seien. Solche Angebote sollten in Zukunft auf den Prüfstand gestellt werden, ob man nicht überhaupt auf sie verzichten könne. Dank sagte Dekan Bertram allen Mitarbeitenden für ihren Einsatz in diesen schwierigen Zeiten.

Weiters hatte er zahlreiche personelle Änderungen im Dekanatsgebiet zu verkünden. Aus dem Dienst verabschiedet wurden die Pfarrer Klaus und Gertrud Göpfert (Pfarrstelle Altötting I und II), Pfarrer Andreas Herden (Burgkirchen II), Pfarrer Dr. Josef Höglauer (Trostberg II), Pfarrer Thomas Schmeckenbecher (Ruhpolding I), Pfarrer Martin Wirth (Bad Reichenhall I) und Diakonin Harriet Tögel (Freilassing). Zudem wird Pfarrer Dr. Manuél Ceglarek (Pfarrstelle Traunstein II) zum Jahreswechsel als Dekan nach Bayreuth wechseln.

Neu in ihre Ämter eingeführt wurden Pfarrerin Hannah von Schroeders (Pfarrstelle Traunstein III), Pfarrer Dr. Josef Höglauer (Berchtesgaden I) und Pfarrerin Dr. Sabrina Hoppe mit einer halben Stelle als Springer. Weitere Einführungen stehen kommendes Jahr an: Pfarrer Bernd Reuther zum 1. April in die Pfarrstelle Ruhpolding I und Pfarrer Florian Herrmann zum 1. Juli in die Pfarrstelle Bad Reichenhall I. Waren die Pfarrstellen im Dekanat vor einem Jahr noch vollbesetzt, so bleiben nach all den geschilderten Veränderungen zunächst einige davon, obwohl ausgeschrieben, vakant: die Stellen Altötting I und II sowie Burgkirchen II und Trostberg II. Ab Februar beziehungsweise März sind auch die Stellen in Mühldorf I und Traunstein II unbesetzt.


Wiedhölzkaser wird Selbstversorgerhaus

Ein weiteres Thema im Bericht des Dekans war die Zukunft des Jugendbildungshauses Wiedhölzlkaser, dessen Betrieb wegen Corona seit 18. März eingestellt ist; somit gab es im heurigen Jahr überhaupt keine Belegungen. Damit verbunden waren Kurzarbeitregelungen für Mitarbeiter und Stornoregelungen für Buchungen. Daraus ergeben hat sich ein neues Betriebsmodell ab 2021: Der Wiedhölzkaser wird ein Selbstversorgerhaus. Wobei man davon ausgehe, dass ab kommendem Jahr nicht einfach der Normalzustand weitergehen werde, wie Bertram betonte.

Als weiteren Punkt ging er auf das Partnerschaftsprojekt des Dekanats in Tansania ein. Hier geht es darum, die dortige Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen. 40 000 Euro wurden dafür gegeben, 50 Prozent davon kommen von der Aktion „Brot für die Welt“. Bertram lobte den Einsatz der ehrenamtlich in dem Partnerschaftsprojekt tätigen Personen, darunter nicht zuletzt den Partnerschaftsbeauftragten Joachim Grytzyk, für die Bearbeitung der komplexen Antragsverfahren.

Aktive Partnerschaft mit Tansania

Richard Graßl, der Leiter des Verwaltungsstandorts des Dekanatsbezirks Traunstein, gab einen kurzen Bericht über die Jahresrechnung 2019. Deren Umfang ist gegenüber dem ursprünglichen Haushaltsplan deutlich gestiegen: bei den Einnahmen von rund 900 000 Euro auf 1,43 Millionen Euro, bei den Ausgaben von rund 900 000 Euro auf 1,21 Millionen Euro. Somit ergeben sich Mehreinnahmen von knapp 220 000 Euro.

Zurückzuführen ist diese deutliche Ausweitung des Haushaltsvolumens Graßls Ausführungen zufolge zum einen auf die erfreuliche Entwicklung im Abschnitt Missionsarbeit mit Mehreinnahmen von 133 000 Euro, die auch zu Mehrausgaben von 58 000 Euro führten. Dazu kommen noch Sondereffekte aus Jahresabschlussbuchungen im Zuge der Einbringung der Verwaltungsstelle in den Zweckverband mit 217 000 Euro in Einnahmen und Ausgaben.

Schwerpunkt der Missionsarbeit des Dekanats der Bereich Pamita, die Partnerschaft mit Tansania. Die Unterstützung beinhaltet zum Beispiel Schulstipendien, die aktuell über 200 Schülern den Besuch weiterführender Schulen ermöglichen, einen Waisenfonds, der 650 Waisen oder Halbweisen unterstützt, Maßnahmen zur Linderung klimaänderungsbedingter Missernten sowie Wasserversorgungsmaßnahmen. Vorsichtig geplant waren hier Einnahmen von rund 11 000 Euro, tatsächlich konnten aber 144 000 Euro an Einnahmen verzeichnet werden; es gibt hier regelmäßige Spender, aber auch immer wieder größere Einzelspenden. Die Ausgaben waren, ebenfalls vorsichtig geplant, mit rund 11 000 Euro angesetzt, tatsächlich wurden dann aber rund 70 000 Euro an die obigen Projekte geleitet. Die verbleibenden Mehreinnahmen stehen in den nächsten Jahren für Unterstützungen zur Verfügung.

Rein buchhalterisch hat auch die Überführung des Verwaltungsstandortes in den Zweckverband in großem Umfang zur Steigerung des Haushaltsvolumens beigetragen, da aber in Einnahmen und Ausgaben in gleicher Höhe, ohne Einfluss auf das Jahresergebnis. Kleine Veränderungen gegenüber den Ansätzen gab es im Zusammenhang mit dem Jugendbildungshaus Wiedhölzlkaser. Nicht zuletzt, da heuer und wohl auch im nächsten Jahr coronabedingt mit erheblichen Defiziten zu rechnen ist, sei es wichtig gewesen, dass 2019 positiv abgeschlossen wurde, so Graßl. Der Dekanatsausschuss hatte die Jahresrechnung zuvor beschlussmäßig festgestellt und einige Rücklagenbewegungen beschlossen: So werden 80 000 Euro den allgemeinen Rücklagen des Dekanats zugeführt, gut 48 000 Euro als Liquiditätsreserve.

Dekan Bertram zeigte sich zum Abschluss der Dekanatskonferenz sehr zufrieden mit der Premiere als digitale Veranstaltung und den 60 zugeschalteten Teilnehmern. „Es ist erstaunlich, dass das technisch so geklappt hat – und das ganz ohne ,Stabsstelle‘ und mit bescheidenen Mitteln.“ Dennoch sei zu hoffen, dass die aktuell geplanten Termine für die Dekanatssynoden des kommenden Jahres am 17. April und 20. November doch wieder Präsenzveranstaltungen abgehalten werden können. he