erschienen im Traunsteiner Tagblatt vom 16.03.2026, Text und Bild: P.Mix
Traunreut. Im Rahmen der Frühjahrssynode des evangelischen Dekanats Traunstein sprach Prof. Dr. Reiner Anselm von der LMU München über die 2025 fertig gewordene Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick“. Darin hält die Evangelische Kirche in Deutschland EKD an der Vision eines „gerechten“ Friedens fest, ohne die Realität von Gewalt und Bedrohung zu leugnen. Obwohl die Denkschrift pazifistische Traditionen würdigt, rückt die Anerkennung staatlicher Schutzpflichten in den Vordergrund.
Deutlich wird laut Professor Anselm auch: „Die evangelische Friedensethik befindet sich in einem Prozess der Neuorientierung, der noch nicht abgeschlossen ist.“ Für die Erstellung der Denkschrift fanden friedensethische Tagungen statt, ein Redaktionsteam wurde gebildet, es gab Absprachen mit dem Rat der EKD und am Ende eine einstimmige Entscheidung für das Werk. Prof. Anselm: „Die Denkschrift ist ein Werkzeug, kein Manifest. Sie will Gewissen bilden, nicht Gewissheiten liefern. Nur Entscheidungen, die von Einzelnen getroffen und vor Gründen ausgewiesen werden können, sind ethisch verantwortliche Entscheidungen. Die Überlegungen der Denkschrift sollen Orientierung in politisch herausfordernden Zeiten ermöglichen. Sie will zur Gewissensbildung beitragen und versteht sich zugleich als Impuls für öffentliche Debatten.“ Laut Professor Anselm will man mit der Denkschrift einzelne Christen ansprechen und anregen, sich eine Meinung zu bilden, sich an der Diskussion der Friedensethik zu beteiligen und öffentliche Debatten anstoßen. Einige Denkanstöße wären: „Friede meint vor dem Hintergrund der biblischen Botschaft mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt.“ Frieden werde vielmehr als ein Ineinandergreifen von vier verschiedenen Dimensionen charakterisiert, Schutz vor Gewalt, Förderung von Freiheit, Abbau von Ungleichheiten und friedensfördernder Umgang mit Pluralität.
Die Macher der Denkschrift sind der Meinung: „Man darf keine Gewalt anwenden, um Gerechtigkeit zu schaffen. Gewalt ist verführerisch und darf nicht zum Selbstzweck werden.“ Und weiter: „Militärische Gewalt ist allein als rechtserhaltende Gewalt legitim. Sie ist nur dann gerechtfertigt, wenn sie eine letzte, begrenzte und verhältnismäßige Maßnahme ist, um Frieden wiederherzustellen und Recht zu schützen.“ Ein wichtiges Thema in dem Papier ist auch der hybride Krieg: „Hybride Kriegsführung unterläuft Grenzen zwischen Krieg und Frieden, innerer und äußerer Sicherheit. Demokratie wird durch Desinformation, Cyberangriffe und Polarisierung von innen heraus bedroht. Sicherheitspolitik muss Bildung, Resilienz und Schutz öffentlicher Wahrheitsräume einbeziehen.“ Auch zum Thema Wehrpflicht hat sich das Redaktionsteam Gedanken gemacht: „Der Schutz vor Gewalt und die Sorge für Recht und Frieden müssen gemeinschaftlich verfolgt werden.“ Es gelte aber die Vorrangigkeit der Freiwilligkeit. Die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht, die einem umfassenden Verständnis von Sicherheit und Schutz Rechnung trägt, solle diskutiert werden – trotz hoher politischer und rechtlicher Hürden.
Künftig auf Regionalgemeinden reduzieren
Die Kirchenmitglieder im evangelischen Dekanat Traunstein werden immer weniger und auch die hauptamtlichen Mitarbeiter. Unter dem Motto „kleiner werden, trotzdem leuchten“ wird die Zukunft der Kirche mit weniger Mitteln gestaltet werden müssen. Als Folge werden künftig bestehende Kirchengemeinden zu Regionalgemeinden zusammengefasst werden, wie Dekan Peter Bertram in der Frühjahrssynode des evangelisch-lutherischen Dekanats bekannt gab.
Laut einer Prognose werden die Mitglieder der evangelischen Kirche Bayerns bis zum Jahr 2025 um die Hälfte weniger werden und die Personalprognose für diesen Zeitraum sieht eine Minderung um 40 Prozent voraus. Aus diesem Grund sollen ab dem kommenden Jahr Regionalgemeinden gebildet werden mit einer Mindestgröße von 6800 Gemeindegliedern. Jede solche Regionalgemeinde, die sich über mehrere Orte erstreckt, soll dann eine Personalausstattung von fünf Vollzeit-Mitarbeitern haben. Die Leitung erfolgt durch einen gemeinsamen regionalen Kirchenvorstand, Pfarrbüros werden zusammengefasst und das gesamte Personal ist bei der Regionalgemeinde angestellt. Dekan Bertram betonte: „Jede Kirchengemeinde wird ein Stück weit ihr Selbstbild verändern müssen.“ Als Zwischenschritt hin zu den Regionalgemeinden sollen schon jetzt Nachbarschaftsräume geschaffen werden und gemeinsame Strukturen mit stärkenorientierten Aufgabenzuschnitten. Wie so etwas aussehen kann, zeigte Dekan Bertram am Beispiel der Kirchengemeinden Marquartstein, Übersee und Ruhpolding. Seit dem Weggang von Pfarrer Rainer Maier übernimmt Claudia Buchner neben ihrer eigenen Gemeinde Ruhpolding auch die Vertretung der Pfarramtsführung der beiden Gemeinden Marquartstein und Übersee. Nach dem Landesstellenplan 2030 im Dekanat Traunstein wird es zu dieser Bildung der Regionalgemeinden kommen müssen, die Stellenzuordnung erfolgt dann an die Regional- statt Kirchengemeinden, Fachpersonal soll die Pfarrer und Kirchenpfleger unterstützen und es wird multiprofessionelle Teams geben. Dekan Bertram zitierte Bischof Noack aus der evangelischen Kirchenprovinz Sachsen, der gesagt hat: „Das Gespenst können wir vielleicht nicht verscheuchen. Aber wir sind überzeugt, es geht nicht gespenstisch zu, wenn Gemeinden sich in ihrer Region miteinander Regio lokal neu erfinden.“ Gerade im Dekanat Traunstein mit seinen vier Landkreisen wird die Entfernung innerhalb der Regionalgemeinden voraussichtlich groß sein, was eine enorme Herausforderung für alle kirchlichen Mitarbeiter darstellen wird.
Peter Bertram gab in der Synode noch bekannt, dass mit Pfarrer Wolfram Schrimpf zum 1. September endlich die erste Pfarrerstelle in Altötting wieder besetzt werden kann. Dessen Frau Pfarrerin Ivena Ach wird die Schulstelle Maria Ward in Altötting übernehmen. Ein Thema im zurückliegenden Jahr in allen Kirchengemeinden war die Prävention „Aktiv gegen Missbrauch“. Neben dem Dekanatsbezirk selbst haben von 16 Kirchengemeinden bereits neun ein final von der Fachstelle genehmigtes Schutzkonzept vorliegen, sieben weitere Gemeinden warten auf eine letzte Rückmeldung der Fachstelle. Auch die Kategorisierung der Gebäudekonzeption konnte abgeschlossen werden und der Festsetzungsbescheid erging im Februar.
Der Dekan gab Termine für 2026 bekannt. „Einfach heiraten“ findet heuer am 26. Juni in Bad Reichenhall, Burghausen und Traunstein statt.
Die Dekanatssynode im Herbst ist für 14. November geplant.