Artikel: B. Janoschka, erschienen im Berchtesgadener Anzeiger am 04.07.2026
Bischofswiesen. Mit einem festlichen Gottesdienst in der Insula-Kirche feierte das Augustinum Berchtesgadener Land sein 75-jähriges Bestehen (wir berichteten). Geschäftsführer Tobias Geiger blickte auf die wechselvolle Geschichte des Hauses zurück. „Der Ort ist voller Geschichte und Erinnerungen, voller Brüche und Neuanfänge“, sagte er. Diese 75 Jahre stünden für Wandel und Verantwortung gegenüber den Menschen.
Auf dem ehemaligen Hochmoor war einst eine Reichssportschule für Mädchen als Ausdruck nationalsozialistischer Ideologie geplant, die jedoch nie verwirklicht wurde, erklärte Geiger. Nach dem Krieg entstand dort stattdessen eine Unterkunft für displaced Persons aus dem Baltikum, die dem Ort den Namen „Insula“ gaben – als Insel in den Stürmen der Zeit. 1951 wurde daraus das Evangelisch-Lutherische Altenheim Insula. Aus einem Ort dunkler Ideologie sei ein Ort der Menschlichkeit, Vielfalt und Solidarität geworden, betonte Geiger. Besonderen Dank sprach er den Mitarbeitenden sowie den beiden Diakonieschwestern Schwester Friedl (Elfriede Katz) und Schwester Anneliese (Anneliese Hass) als Zeitzeuginnen aus.
Heute begleiten rund 300 Mitarbeitende aus fast 30 Nationen auf dem Campus Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren und Angehörige - unabhängig vom Alter, Geschlecht, Lebenssituation. Entwicklung brauche finanzielle Mittel, Mut, Zeit und Durchhaltevermögen, so Geiger. Seine Rede war von Dankbarkeit gegenüber allen Beteiligten geprägt.
Diese prägte auch die einleitenden Worte zum Gottesdienst von Pfarrer Christian Gerstner, sowie das Gebet von Pfarrerin Irene Silbermann, die auch das Evangelium aus dem sechsten Kapitel von Lukas zur Barmherzigkeit und zur Selbsterkenntnis las.
Dekan Peter Bertram stellte in seiner Predigt das Pauluswort „Einer trage des anderen Last“ in den Mittelpunkt. Die Einweihung der Insula-Kirche im Jahr 1951 habe den Beginn einer hoffnungsvollen Geschichte markiert. „Aus den Wunden der Vergangenheit kann Großartiges, und aus Lasten können getragene Lasten werden“, befand Bertram. Die Fürbitten und das Vaterunser leitete Pfarrer Dr. Josef Höglauer.
Landrat Michael Koller gratulierte zum Jubiläum und stellte den Satz „Der Mensch braucht jemanden, der ihm Freund ist, und dem er Freund sein kann“ beispielhaft über die Arbeit im Augustinum.
Der erste Bürgermeister von Bischofswiesen, Wolfgang Fegg, stellte die Menschen in den Mittelpunkt, die den Campus mit Leben erfüllen und würdigte die gelebte Menschlichkeit. Sein Dank galt stellvertretend den beiden Diakonieschwestern sowie dem verstorbenen Dr. Heinz Loewe, dessen Einsatz den Erhalt des wertvollen Orchideenbestands im Park ermöglichte.
Auch der Regionalbeauftragte der Diakonie Bayern, Andreas Karau, und der Vorsitzende der Augustinum-Konzerngeschäftsführung, Joachim Gengenbach, würdigten die Geschichte und die Arbeit des Hauses.
In seinem Schlusswort fasste Tobias Geiger den wertschätzenden und ermutigenden Dank seiner Vorredner zusammen und dankte zudem Kantorin Monika Nestle an der Orgel sowie der Musikkapelle Bischofswiesen für die musikalische Gestaltung. Anschließend begleiteten die Musikanten den Festzug zum Bierzelt und spielten zum gemeinsamen Mittagessen auf.