Pfarrerin Hannah von Schroeders in ihr neues Amt eingeführt

Einführung v. Schroeders
Bildrechte: Hans Eder

Eindrucksvolle Predigt: „Erstmal still sein anstatt schnell loszupoltern“

Bericht und Foto: Hans Eder

Traunstein. „Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann!“ Dieser Satz aus dem Römerbrief des Apostels Paulus, sei, so findet die neue evangelisch-lutherische Traunsteiner Pfarrerin Hannah von Schroeders, „nicht der schlechteste Hinweis für einen Start in einem neuen Job: „Danke, Paulus! Ich werde mich bemühen!“ Mit einer eindrucksvollen Predigt in der Auferstehungskirche in Traunstein appellierte die 45-Jährige nach der Einführungszeremonie an ihre Zuhörer, statt schnell mal loszupoltern „erstmal still zu sein, schweigen, hören, nachdenken, sich in die Position des anderen hineinversetzen, abwarten, auf vorschnelle Urteile verzichten“. Das wäre doch zumindest einen Versuch wert, meinte sie.

Die Eingangsliturgie des Einführungsgottesdienstes für Pfarrerin von Schroeder übernahm Pfarrer Friedemann Krocker; auf einen feierlichen Einzug, wie sonst üblich, war wegen Corona verzichtet worden. Danach war es die Aufgabe von Dekan Peter Bertram, die neue Pfarrerin per Handauflegung in ihre neue Stelle einzuführen. Begleitet wurde sie dabei von ihren beiden Assistierenden, Pfarrerin Margit Geley aus Salzburg und dem Religionspädagogen Andreas Herrmann aus München, die dann auch Lesungen übernahmen. Der Vertrauensmann im Kirchenvorstand, Wolfgang Grothe, hatte zuvor die von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm unterzeichnete Ernennungsurkunde verlesen.

Ihre Predigt leitete Pfarrerin von Schroeders ein mit Zitaten aus Kulturkritiken in den Zeitungen, die manchmal „ganz schön gemein“ seien. „Ich frage mich, warum? Weil sich ein Verriss leichter schreibt als die begeisternde Schilderung eines Abends? Oder weil es halt Spaß macht zu sticheln? Oder weil der Kritiker oder die Kritikerin gerade einen schlechten Tag hatte und ihren Frust los werden wollte?“ Dabei stellten sich doch die Künstler mit Herzblut auf die Bühne und zeigten ihr Innerstes. „Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?“, zitierte sie aus dem Lukas-Evangelium. Und schon im fünften Buch Mose heiße es: „Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“  

Wenn sich nun aber jemand wirklich nach Kräften bemühe, nett und friedlich zu sein, Gutes zu tun: „Wohin dann mit meinem Frust, meinem Zorn, meiner Wut, meiner Überforderung und meiner Ratlosigkeit?“ Jedenfalls solle man seinen Frust nicht an anderen auslassen, „nicht an euren Schutzbefohlenen, nicht am Schaffner, nicht an der Polizistin, nicht an den Geflüchteten, nicht an Menschen, die anders aussehen. Lasst euren Frust nicht an anderen aus, sondern gebt ihn ab, euren Frust und eure Wut! Beim Himmlischen! Es ist ja nicht verboten, frustriert und zornig zu sein. Nur wenn die Wut völlig ungefiltert herausbricht, kann sie viel zerstören.“

Ihre Empfehlung: „Gib deinen Zorn zu und gib ihn ab! Schrei ihn in den Himmel! Zorn kann sehr laut sein. Vielleicht empfiehlt es sich tatsächlich, dafür in den Wald zu gehen. Sie werden Ihre Rituale finden, wenn Sie sich vornehmen, ihren Zorn Gott zu überlassen.“ Dies bedeute aber keineswegs, sich gar keine Meinung mehr zu bilden und sie dann auch auszusprechen. Aber: „Nur vielleicht ein bisschen langsamer? Und den Zorn bei Gott abgeben, der wird schon wissen, was er damit macht.“

Der Gottesdienst wurde mit Orgelmusik und von den knapp 60 Anwesenden mitgesungenen Liedern musikalisch gestaltet. Mehr Menschen hatten wegen der vorgeschriebenen Abstandsregeln nicht Platz gefunden, einige hatten sich sogar mit Plätzen im Eingangsbereich hinter der gläsernen Rückwand begnügen müssen. Bei der Feier mit dabei waren natürlich auch der Mann der Pfarrerin und die drei Kinder.

Nach dem Gottesdienst wurde die neue Pfarrerin Hannah von Schroeder noch von einigen Rednern an ihrer neuen Stelle willkommen geheißen. Der Traunsteiner Bürgermeister Dr. Christian Hümmer nahm in seinem Grußwort Bezug auf die Predigt der neuen Pfarrerin und äußerte die Hoffnung, dass die darin enthaltenen Mahnungen im geschäftigen Alltag nicht gleich wieder vergessen werden. Gute Zusammenarbeit bot der Waginger Bürgermeister Mathias Baderhuber an. Die katholische Gemeindereferentin Waltraud Jetz-Deser aus dem Pfarrverband Waging freute sich über eine weitere Frau in der Seelsorge vor Ort und sprach den Wunsch aus, dass das gute ökumenische Miteinander wie zu Zeiten von Pfarrer Barthel Pichlmeier fortdauern möge. Denn die neue Pfarrerin wird insbesondere auch für die Kirchengemeinde Waging zuständig sein.

Vertrauensmann Grothe begrüßte die neue Pfarrerin im Namen des Kirchenvorstands. Diakon Robert Münderlein vom Diakonischen Werk wünschte sich eine liebevolle, gute Zusammenarbeit mit der neuen Pfarrerin. Die Einführungsfeier klang aus mit einem Sektempfang vor der Kirche, wo die Gottesdienstbesucher die Gelegenheit hatten, mit der neuen Seelsorgerin ein paar Worte zu wechseln.