Salz im katholischen Kernland

Traunstein feiert 400 Jahre Salinenstadt – mit selbstbewussten Protestanten

erschienen im Sonntagsblatt am 11.08.2019, Text und Bild: Axel Effner

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Salinenpark Traunstein
Als "Weißes Gold" hat das Salz über viele Jahrhunderte hinweg die Kulturgeschichte in Südostbayern deutlich geprägt. Das Lebens-, Würz- und Konservierungsmittel war unverzichtbar und wurde teuer gehandelt. Entsprechend vielfältig und eindrucksvoll sind heute noch die Zeugnisse aus der Salinenzeit: das seit 1517 durchgängig betriebene, älteste Salzbergwerk Deutschlands in Berchtesgaden; die denkmalgeschützte Alte Saline in Bad Reichenhall mit ihren geheimnisvollen Stollen und technischen Meisterwerken sowie dem Salzmuseum; und nicht zuletzt die Salinenstadt Traunstein.

Vor ihren Toren entstand vor 400 Jahren eine komplett neue Salinensiedlung, die zum Großteil noch steht. Diese wurde von Reichenhall aus mit flüssiger Sole aus einer neu entdeckten Quelle beliefert. In einem der technisch und finanziell aufwendigsten Bauvorhaben der damaligen Zeit wurde dafür durch das Gebirge eine 31 Kilometer lange Versorgungsleitung gebaut. Sie bestand aus mehr als 8.000 Holzröhren (Deicheln). Mittels sieben neu entwickelter Pumpwerke überwand "die erste Pipeline der Welt" einen Höhenunterschied von 250 Metern ins waldreiche Traunstein. Erst hier gab es genügend Holz, um die Siedepfannen zu befeuern.
Die Inbetriebnahme der Saline und der Soleleitung vor 400 Jahren feiert Traunstein in diesem Jahr mit einem Doppeljubiläum. Passend dazu wurde bereits der neue Salinenpark eröffnet, den zwei technische Meisterwerke der Salinenzeit sowie ein Apothekergarten mit rund 140 Heilpflanzen schmücken. Seit Kurzem ist auch die angegliederte Ausstellung zur Salzgeschichte im Ferdinandistock eröffnet. Sehr lebendig und bunt ist die Salinengeschichte im Rahmen eines historischen Festzugs am Sonntag (11.08.) durch Traunstein geworden. Pferdegespanne der Samer und ein Festwagen zum Deichelbau, Gruppen von Holzknechten und Eisenarbeitern, die Schäffler oder die St.-Nikolai-Bruderschaft aus Wasserburg sind dabei aufgetreten.