Weil Wegschauen nicht vor Schlägen schützt

Verantwortliche der Diakonie beteiligten sich an der Gestaltung des Diakoniegottesdienstes zum Auftakt der Herbstsammlung. Von links: Vorstand Andreas Karau, Veronika Kecht (Leitung des Mutter-Kind-Wohnens), Dekan Peter Bertram und Birgit Berwanger (Fachstelle gegen sexuelle Gewalt)
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Herbstsammlung der Diakonie für Hilfen gegen Gewalt in Partnerschaft und Familie gestartet

 

Es ist eine Zahl, die erschreckt: Jede vierte Frau in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Opfer von Gewalt in der Partnerschaft, sei es durch ihren aktuellen oder einen ehemaligen Partner. Häufig handelt es sich dabei um sexuelle Gewalt und nicht selten trifft es Kinder und Jugendliche. Unter dem Motto „Weil Wegschauen nicht vor Schlägen schützt“ sammelt die Diakonie Bayern vom 12. bis 18. Oktober darum für dieses und andere diakonische Arbeitsfelder.

„Die Sammlung greift ein Thema auf, deren Geschichten einem den Atem stocken lassen“, sagte Dekan Peter Bertram beim Diakoniegottesdienst zum Start der Sammlungswoche. Anhand eines Fallbeispiels aus der Beratung der Fachstelle gegen sexuelle Gewalt schilderten Birgit Berwanger und Veronika Kecht einfühlsam, wie ein Mädchen auf Initiative ihrer Freundin Kontakt zur Fachstelle aufnahm, Vertrauen fasste und sich öffnete. Seit sie 10 Jahre alt ist, werde sie von ihrem Stiefvater bedrängt. Ist ihre Mutter nicht zu Hause oder schläft sie bereits, komme er zu ihr ins Zimmer und sagt ihr, wie sehr er sie liebt. Zugleich verlange er von ihr, sie solle ihm beweisen, dass sie ihn auch liebe. Als sie ihm sagt, sie werde mit ihrer Mutter darüber sprechen, wenn er sie nicht in Ruhe lasse, setzt er sie immer stärker unter Druck. Er werde alles so darstellen, dass eigentlich sie selbst es so gewollt habe. Zudem droht er damit, ihre kleine Schwester zur Nachfolgerin zu machen oder sich umzubringen, sollte sie darüber sprechen.

„Häusliche Gewalt kommt in allen Milieus und in allen gesellschaftlichen Schichten vor“, unterstrich Dekan Peter Bertram in seiner Predigt. Anhand eines Beispiels des Propheten Jesaja, der das Volk dazu aufrief, gemeinsam das Unrecht zu bekämpfen, forderte Bertram: „Schaut hin!“ Denn Wegschauen helfe sicher nicht, sondern Hinschauen und Tun. Im Schnitt brauche ein Kind acht Anläufe, bis ihm eine solche schlimme Erfahrung geglaubt und darauf reagiert wird. Daher, so Bertram, „sorgt und helft, lernt Gutes zu tun, denn es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Für ein solches Handeln stünden Kirche und Diakonie, denn Glaube und christliches Handeln seien zusammen zu denken und zugleich gesellschaftlicher Auftrag. Dieser Gedanke sei maßgeblich gewesen, als 2001 die Fachstelle gegen sexuelle Gewalt gegründet wurde. Gerade zu dieser Zeit wurde das Thema von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Hinzu kam einige Jahre später die Eröffnung des Mutter-Kind-Wohnens der Diakonie, in dem aktuell 15 Mütter und 23 Kinder fachkundig begleitet werden und einen Schutzraum zur Weiterentwicklung vorfinden. Doch für solche Hilfen brauche es auch Spenden, betonte Bertram. Wie sie beispielsweise vorbildlich von der Fanny-Unterforsthuber-Stiftung gegeben werden, die sich in diesem Bereich seit vielen Jahren engagiert. Oder von den vielen einzelnen Spendern und Initiativen, die dafür Sorge tragen, dass diese Hilfe auch künftig geleistet werden kann.

Die Herbstsammlung der Diakonie wird vom 12. bis 18. Oktober in ganz Bayern durchgeführt. 70 Prozent der Spenden an die Kirchengemeinden bleiben im Dekanatsbezirk zur Förderung der diakonischen Arbeit. 30 Prozent der Spenden an die Kirchengemeinden werden an das Diakonische Werk Bayern für die Projektförderung in ganz Bayern weitergeleitet. Das Spendenkonto lautet: DE 16 7105 2050 0000 0068 90, BIC: BYLADEM1TST, Stichwort H2020